ZERO
1958 gründen Heinz Mack und Otto Piene die ZERO-Bewegung, der sich 1961 Günther Uecker anschließt. Sie gilt als die wichtigste, kunsthistorisch bedeutungsvolle Avantgarde nach dem zweiten Weltkrieg.
ZERO, verstanden als Nullpunkt, als Tabula-rasa-Situation, von der aus neuartige Gestaltungsprinzipien und ästhetische Ideen entwickelt wurden, kennzeichnet den Zeitgeist.
Monochromie, kühne, kreative Experimente wurden in den Ateliers gewagt, begleitet von spektakulären Aktionen und Environments, die legendär sind.
Diese Kunstbewegung führte beispielsweise Künstler wie Yves Klein, Fontana, Manzoni, Castellani, Tinguely und Schoonhoven zusammen, die auf ZERO einen wesentlichen Einfluss hatten, gleichzeitig aber auch wiederum von ZERO Impulse und Ideen empfingen.
Bis zur Auflösung der ZERO-Gruppe im Jahr 1966 fanden rund 55 ZERO-Ausstellungen statt, u.a. in Düsseldorf, Antwerpen, Brüssel, Mailand, London, Paris und Philadelphia und rund 130 Künstler aus Europa und den U.S.A. nahmen an ihnen teil.
Manfred Schneckenburger schreibt in seinem Text „ZERO oder der Aufbruch zur immateriellen Struktur“ (Katalogbuch Gruppe ZERO der Galerie Hubertus Schoeller, Düsseldorf 1988):
„...Fassen wir ZERO weder als Gruppe noch als Bündnis noch als Netzwerk, sondern als ein messbares Klima auf, so greifen die Parameter Licht, Struktur, Vibration, Monochromie. Licht als Gestaltungsmittel wie Pinselschrift und Pigment, das Farbnoppen und –wülste, Riefelungen und Wellen, Nägel und Reflektoren, Risslinien und Schrägungen rhythmisiert. Struktur als Überwindung kompositioneller Hierarchien, als Möglichkeit von Interferenzen und einer Gesetzmäßigkeit jenseits der Abbildung. Vibration als Resultat des Zusammentreffens von Licht und Struktur, als Dynamisierung des Bildes und als Bewegung, die sich im Auge des Betrachters vollzieht. Monochromie als Voraussetzung für die reinste, ungetrübte Artikulation des Lichts, mit einer Bandbreite vom meditativen Empfindungs- und Schwingungsraum bis zur radikal farblosen Neutralität. Wo das Bild überstiegen wird, geht der Anspruch, jedenfalls im ZERO-Kern – auf die „Reharmonisierung von Mensch, Natur, Technik“ (Piene)...
...Mack findet, erfindet 1958 sein Verfahren der Vibration. Er erzählt selbst, wie er durch Zufall auf eine Metallfolie trat, durch die sich das Muster eines geriffelten Industriebodens drückte – die auslösende Erfahrung für seine Dynamos, Rotors und Reliefs? Er wird nicht nur zum Lichthymniker unter den ZERO-Künstlern, sondern auch zum konsequentesten Verkünder einer sprühend lebendigen, nicht mechanischen Repetition. Hinter der Lichtromantik seiner Sonnen, die unter Wasser wandern steht die klare Vorstellung einer „neuen Malerei“, in der Farbe durch das „ideale Monochrom Silber“ oder Weiß, die Kompositionen durch „Strukturzonen“ ersetzt wird.“
Dieter Honisch erklärt in seinem Text für das Buch Mack-Skulpturen (Econ Verlag, Düsseldorf, Wien, New York 1986): „..Ich glaube, dass der eigentliche Impuls von Mack ausging. Er hatte damals nicht nur das klarste Konzept, sondern auch in seinen ZERO-Texten Überzeugungen präzise beschrieben und später ausgeführt, die dieser Bewegung einen neuen Standort gaben. ...Das Jahr 1958 war nicht nur für Mack, es war für ZERO ein bestimmendes Jahr. Die wesentlichen Gedanken kamen von Mack. Von nun an sind seine Arbeiten wie aus einem Guss. Das Metaphorische, Zeichenhafte des Frühwerks ist überwunden. Die jeweilige Erfindung ist nicht mehr punktuell an ein bestimmtes Werk gebunden, sondern alle Werke sind Ausdruck, Facetten einer einzigen umfassenden Idee...“
