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Kunst in der Wüste und in der Arktis

Das weitgreifende Werk von Heinz Mack bedient sich nicht nur traditioneller Medien der Kunst, sondern auch modernster Industrietechnik und medialer Kommunikation.  

Der  Kunsthistoriker Wieland Schmied stellt folgenden Vergleich an: Er zitiert: „Ich brauche große Ideen, und ich glaube, wenn man mich mit dem Plan für ein neues Universum beauftragte, ich wäre verrückt genug, mich daran zu machen.“
Schmied fährt fort: „Dieses Bekenntnis ist 250 Jahre alt und stammt von Piranesi – kennte ich seinen Urheber nicht, ich würde nicht zögern, es Heinz Mack zuzuschreiben. Genauso wie ich es ihm zutrauen möchte, es noch einmal mit dem Turmbau zu Babel zu versuchen. Es würde wohl ein Turm aus Licht werden, den er in Angriff nehmen würde, unendlicher als Brancusis unendliche Säule, eine vibrierende Lichtstele, die Himmel und Erde verbindet.“

Heinz Mack: „Ich wollte das Paradies auf Erden schon zu Lebzeiten betreten – zumindest den Vorgarten. Warum sollte das nicht möglich sein? Schließlich gibt es auch die Vorhölle auf Erden. Der Weg, welcher vom Licht erfüllt ist, führt nicht – so darf man hoffen – in die Finsternis; diesen Weg gehe ich.“

Bei all seinen Projekten fühlt sich Mack in Eintracht mit der Natur. Er sagt: „Alles, was ich in der Wüste und in der Arktis getan habe, hat die Unberührtheit der Natur nicht verletzt, sondern bestätigt.“ Oasen aus silbernen Stelen in der Sahara, Feuerkämme aus brennendem Magnesium auf den Gletschern der Arktis, artifizielle Gärten im Meer, das bewegt seine Inspiration, nicht weniger als die überraschende Harmonie zwischen  natürlichen und künstlich geschaffenen Phänomenen.
Macks Intuition begreift die Technik als ein Instrumentarium, um die Phänomene der Natur sichtbar zu machen und kreativ zu nutzen.

Heinz Mack wagt den Blick in die Zukunft: „Morgen aber werden wir auf der Suche nach einer neuen Dimension der Kunst auch neue Räume aufsuchen müssen, in denen unsere Werke eine unvergleichliche Erscheinung gewinnen werden. Solche Räume sind: der Himmel, das Meer, die Antarktis, die Wüsten. In ihnen werden die Reservate der Kunst wie künstliche Inseln ruhen.“

Dieter Honisch, der ehemalige Direktor der Nationalgalerie in Berlin schreibt in seinem Text für das Buch Mack-Skulpturen (Econ Verlag, Düsseldorf, Wien, New York, 1986):
„...Er hat in seinem Sahara-Projekt nicht nur die Land-Art in einem neuen Konzept von 1976 vorprogrammiert, sondern auch Künstler wie Walter de Maria beeinflusst... . Es ist merkwürdig, dass Mack als Anreger vieler späterer Lösungen nicht ausgewiesen wird, zumal dort nicht, wo er mit seinen Arbeiten sehr früh schon in große Dimensionen ging. Dies mag damit zusammenhängen, dass man ihn immer auf das Einzelobjekt bezogen sah, nie auf das landschaftliche oder urbane Environment, das jetzt seine Arbeit bestimmt. In weltweite und urbane charakteristische Situationen geht Mack erst 1968.
Dass Mack seine Arbeit im öffentlichen Raum fortsetzt und dies ohne jede Einschränkung seiner eigenen Vorstellung, zeichnet ihn gerade in letzter Zeit aus. Gerade weil sich seine Vorstellung zunehmend privaten Sammlern und Museen entzog und diese trotzdem von ihm in die Realisierung getrieben wurden, ist die enorme Lebensleistung von Mack besonders hoch einzuschätzen...
Wenn ich auch Mack bis zuletzt immer wieder mit ZERO verbunden habe, so muss ich mich an die Frage erinnern, die Mack mir einmal stellte: „ Warum kann man noch immer nicht an meine Arbeiten denken, ohne an ZERO zu denken?“
Diese Frage ist für mich relativ einfach zu beantworten. Weil kein anderer Künstler damals auf so verblüffend einfache und überzeugende Weise für eine Erneuerung der Kunst eintrat wie Heinz Mack. Seine Offenheit der Natur gegenüber (Sahara-Projekt) und die Bedeutung, die er dem Licht zu Herstellung einer neuen sinnlichen Qualität (Faszination) gab, die Einbeziehung der Technik, die neue Phänomene ermöglichte (Vibration, Bewegung), und die Reduktion des Künstlerischen auf ein Grundprinzip (Strukturzone), entsprachen zusammen mit der Vorstellung einer artifiziellen Durchdringung der Welt so den Intentionen dieser künstlerischen Bewegung, dass kein anderer Künstler stärker als Mack mit ihr verknüpft wurde...“



Max Bense schreibt im Buch Mack – Kunst in der Wüste (Josef Keller Verlag, Starnberg 1969):
„...Auch der Raum, den Mack für das Sahara-Projekt in Betracht zieht wird Medium ästhetischer Zustände, also kreierter Innovationen aus Licht, das durch Vibration, Konzentration und Reflexion einer Freiheit der Gestaltung einer Selektion übergeben wird, die, über Kandinsky hinaus, nicht mehr nur von der Emanzipation der Farbe und der Form, sondern eben von der Emanzipation des Lichtes sprechen lässt.
Schließlich die Gegenstände, die Stelen, die Spiegelmauern, die Segel, die gläsernen Scheiben, die Sandreliefs. Träger der ästhetischen Zustände, die dem endlosen gleichwahrscheinlichen Labyrinth der Wüste, dem Raum, dem Licht die singuläre Diskontinuität, Unterbrechung, visuelle Innovation, Unwahrscheinlichkeit und Information geben. Wie gesagt: künstlich erstellte Träger einerseits, aber zugleich in der Rolle von Zeichen, die durch das Chaos, das Labyrinth an Orientierung, an Ordnung, also an ästhetischer Effektivität gewinnt. Der ästhetische Zustand, um den es Mack geht, ist jedoch nicht an der Träger gebunden wie ein Bild an seine Leinwand oder eine Skulptur an den metallenen oder marmornen Körper. Der ästhetische Zustand erscheint hier vielmehr als ein Umkörper des Trägers, indem er Sand, Licht, Raum einbezieht; der Träger manifestiert den ästhetischen Zustand nicht, sondern löst ihn aus.
Erst diese Funktion des Trägers konstituiert den beabsichtigten ästhetischen Zustand wirklich als „artifiziellen Raum“ wie Mack sagt, und als „Reservation der Kunst“ wie er hinzufügt...“

Mack selbst äußert sich in dem gleichen Buch wie folgt zu seinen künstlerischen Expeditionen:
Ich hatte das Glück, von Kameramännern begleitet zu sein, deren Einfühlungsvermögen und Sensibilität des Sehens es ermöglichte, viele für den Künstler riskante Experimente zu wagen. In diesen wenigen Tagen waren alle Beteiligten von eine einzigen, fieberhaften Gedanken beseelt: die verschiedenen Lichterscheinungen in ihrer Einmaligkeit und in ihrer reichen Variationsbreite filmisch festzuhalten, weil Zeit und Raum unerbittlich ihre Vergänglichkeit forderten.
„...fast alles, was wir dem Licht und der Wüste als künstlerische Herausforderung überlassen haben, wurde verwandelt, wurde zum Ausdruck von Licht, Raum und Zeit. Die beglückendste Überraschung für meine Augen aber war die Erkenntnis, dass Raum und Licht zwar stärker sind als meine artifiziellen Werke, das aber meine verhältnismäßig kleinen Konstruktionen die unendliche Weite des Raumes in sich reduzieren und die alleserfassende Helligkeit des Lichtes artikulieren und intensivieren können.
Alles, was ich in der Wüste getan habe, hat ihre Unberührbarkeit nicht verletzt, sondern bestätigt...“